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Vorbei mit komerziellen Erweiterungen im JED?

GPL General Public License
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GPL General Public License

Bislang konnten alle Drittanbieter-Erweiterungen (sog. 3PD’s) problemlos im JED (Joomla Extension Directory) zum Donwload beworben werden. Dabei wurden auch verschlüsselte Erweiterungen, die z.B. Ioncube erfordern, zum Vertrieb angeboten.

Nun soll ab 1. März 2009 für neue Erweiterungen und ab 1. Juli 2009 für bereits publizierte Erweiterungen, mit der Publikation solcher verschlüsselten Erweiterungen im JED Schluss sein.

Ab diesem Zeitpunkt sollen nur noch reine GNU GPL lizenzierte Erweiterungen beworben werden können.

Mit dieser Massnahme will das Joomla! Projekt wieder zurück zu seinen ursprünglichen Wurzeln.

Geschichtlicher Hintergrund

Damals im September 2005, als eine Gruppe von Entwicklern das Mamboprojekt velassen und einen neuen Fork gegründet haben, ging es unter anderem auch genau um dieses Lizenzsierungsmodell.
Miro wollte alle Entwickler zwingen, einer neu gegründeten Mambo-Foundation beizutreten. Ohne diesen Beitritt war es nicht mehr möglich, sich an der Entwicklung von Mambo zu beteiligen.

Der Gedanke von Open Source (offener Quellcode) schien gefährdet. Man befürchtete, dass das Open Source Projekt Mambo durch die Firma Miro, heute unter dem Namen Rice Studios bekannt, das Mambo Projekt schrittweise kommerzialisieren will.

Als die Entwickler damals entschlossen, das Mambo Projekt zu verlassen, um unter neuem Namen weiter zu machen, war von Anfang an klar, dass der Open Source Gedanke hoch gehalten werden soll. Joomla! war geboren und es sollte von Anfang an unter GNU GPL Lizenz vertrieben werden, was auch so passiert ist.

Das Problem

Doch neben dem Vertrieb der Joomla! Kernsoftware schossen in den letzten drei Jahren auch zunehmend nicht GPL Lizenzierte Erweiterungen aus dem Boden. Man hat dem Treiben eigentlich tatenlos zugesehen. Joomla! drohte immer mehr in die Kommerzecke abzurutschen.

Zwar war der Joomla! Kern nach wie vor frei erhältlich. Doch sehr viele Erweiterungen drum herum kosteten viel Geld und deren Quellcode wurde immer mehr verschlüsselt. Es entstand rund um Joomla! herum ein blühendes Geschäft. Dem will man jetzt einen Riegel schieben.

Die Absicht

Das bedeutet, dass ab März 2009 nicht nur der Vertrieb der Kern-Software (Core) unter GNU GPL vertrieben werden soll, sondern auch die gesamte Produktepalette, die im JED weiter angeboten werden wollen, müssen neu diesem GPL Standard entsprechen.

Diese Anpassung im JED soll in drei Stufen umgesetzt werden:

  1. 15. Juni 2007: Joomla! bestätigt, dass beide Kerne Joomla! 1.0 und Joomla! 1.5 unter reiner GNU GPL Lizenz vertrieben werden.
  2. 1. März 2009: Nur Joomla! Erweiterungen, die unter der GNU GPL lizensiert ist, wird in das JED neu aufgenommen.
  3. 1. Juli: 2009: Nur Joomla! Erweiterungen, die unter der GNU GPL lizensiert ist, wird in die Liste des JED aufgenommen.

Quelle: JED to be GPL Only by July 2009

GNU GPL = Frei = Gratis?

In meiner langjährigen Webmastertätigkeit stelle ich immer wieder fest, dass wenn man von GNU GPL oder Open Source sprach, viele Leute automatisch davon ausgingen, dass alles kostenlos (gratis) erhältlich ist. Dem ist aber nicht so! Open Source heisst wörtlich: offene Quelle. Von gratis ist und war da nie die Rede. Wenn ich also Joomla! (den Quellcode) nehme und den in meinem Shop für Fr. 1’000 verkaufe, wäre das an sich kein Problem, solange ich den Code nicht chiffriere.

Aber mal ehrlich: Wer „kauft“ schon einen offenen Quellcode für diesen Betrag?

Keine komerziellen Erweiterungen mehr im JED?

Jetzt kommen wir langsam zum eigentlichen Kern dieses Artikels. Aber Sie werden verstehen, dass wenn man diese Frage beantworten will, man etwas fundiertere Vorkenntnisse braucht. Daher die etwas lange „Einleitung“. Sie können sich nun die Antwort wahrscheinlich selber geben.

Grundsätzlich kann ich ab dem 1. März 09 im JED immer noch Erweiterungen zum Verkauf anbieten. Solange ich nicht gegen die GNU GPL Regeln verstosse, ist das kein Problem. Doch muss ich mit der GNU GPL Lizenz jedem Nutzer mein Quellcode offen lassen. D.h. der kann nun in eigener Regie meine geschriebene Erweiterung weiter vertreiben und er könnte nun daraus eine kostenlose Variante anbieten.

Folglich würden Nutzer natürlich die kostenlose Variante herunterladen und ich bliebe auf meiner kostenpflichtigen Variante sitzen.

Sie stellen schnell fest, dass es keinen Sinn macht, Erweiterungen zu verkaufen, die schon bald als kostenlose Versionen im Web angeboten werden.

Daher suchten auch immer mehr Entwickler nach einer Möglichkeit, einerseits ihre Erweiterungen weiter unter GNU GPL anzubieten und trotzdem zu ihrem Lohn zu kommen. Dabei wurden u.a. folgende Alternativen geboren:

  1. Das Spendenmodell
    Für jeden frei erhältlich, aber mit dem Wunsch doch etwas dafür freiwillig zu spenden, damit das Projekt weiter leben kann. Das klassische Beispiel für dieses Modell ist der Joomla! Core selber.
  2. Das Supportmodell
    Hierbei lässt man die Erweiterung selber kostenlos, knüpft aber kostenpflichtigen Support daran. (Beispiel: Dioscouri-Erweiterungen)
  3. Das Mitglieder- oder Clubmodell
    Man ermöglicht dem Nutzer, gegen einen kleinen Mitgliederbeitrag (Subscribers), den Vorbezug einer lang ersehnten Erweiterung (Beispiel: Community Builder). Ebenso funktionieren auch sehr viele Templateclubs.
  4. Das Partnermodell
    Bei dieser Variante wird der Vertrieb der Erweiterung über verschiedene Partner abgewickelt. Als Partner leistet man einen Partnerbeitrag und bekommt als Gegenzug die Erweiterung. Dabei bleibt die Erweiterung selber kostenlos, jedoch entscheidet jeder Partner selber, wie er die erworbene Erweiterung an seine Kunden weitergibt. D.h. damit man als Nutzer an so eine Erweiterung ran kommt, muss man sich an einen solchen Partner wenden. (Beispiel: Nooku)
  5. Das Hostingmodell
    Dieses ist wohl eines der neueren Modelle, die mir begegnet ist. Dabei wird die Erweiterung selber nicht mehr zum Download angeboten, sondern man kann sich mittels Hosting alle Erweiterungen zusammen klicken. Je nach dem, wie umfangreich die Palette wird, zahle ich dann mehr oder weniger Hostinggebühren. Einen Teil dieser Gebühr kommt dann dem Entwickler der Erweiterung zugute. (Beispiel: simplweb.com)
  6. Das Unvollständig-Modell
    Man könnte eine Erweiterung zum Download bereit stellen, aber in einer nicht lauffähigen Version. (z.B. ohne XML-Datei). D.h. der Joomla! Installer wäre nicht in der Lage, das Paket zu lesen. GPL tauglich wäre das. Denn es ist ja nur die Rede von offenen Quellen und nicht davon, dass sie lauffähig sein müssen. (Beispiel: Quake-Game)

Die Liste ist selbstverständlich nicht abschliessend. Man könnte jetzt, nebst weiteren neuen, mir noch unbekannten Modellen, noch alle aufgezählten Varianten beliebig miteinander verknüpfen. Aber davor verschone ich Sie jetzt lieber.

Fazit

GNU GPL lizenzierte Erweiterungen können, dank diesen innovativen Finanzierungsmodellen nach wie vor etwas kosten. Sie werden auch trozdem im JED gelistet bleiben, sofern sie die übrigen Lizenzbestimmungen nicht verletzen. Dabei entscheidet immer der Nutzer selber, wie viel er für eine Erweiterung resp. dessen Vertriebsmodell bereit ist zu bezahlen.

Von kostenlos kann also auch in Zukunft nicht die Rede sein. Ganz im Gegenteil. Es werden immer häufiger neue Finanzierungsmodelle zum Zug kommen. Denn schliesslich wollen auch Vollzeit 3PD-Entwickler was zu Essen haben.