belex: ein kleines Werkzeug, das Gesetze und Gerichtsurteile aus dem Kanton Bern für KI-Assistenten mit Fundstelle nutzbar macht. Aus eigenem Bedarf entstanden, jetzt kostenlos und offen für alle.
Das Problem: KI ist überzeugend, auch wenn sie falsch liegt
Wer schon einmal eine KI zu einer Rechtsfrage befragt hat, kennt das: Die Antwort klingt kompetent, nennt Artikelnummern und Urteile, und wirkt absolut sicher. Nur stimmt es oft nicht. Die KI erfindet Fundstellen, weil sie darauf trainiert ist, plausibel zu klingen, nicht darauf, im Gesetzbuch nachzuschlagen.
Für eine eigene Auseinandersetzung mit dem Berner Baurecht war mir das zu wenig. Ich brauchte Aussagen, die ich am Original nachprüfen kann, mit Artikel, Fassung und Datum. Genau da liegt das Problem: Anders als das Bundesrecht, das der Bund als offene Daten anbietet, sind das kantonale Berner Recht und die Urteile des Verwaltungsgerichts nicht so aufbereitet, dass eine KI sie sauber lesen könnte. Die amtliche Gesetzessammlung läuft in einer JavaScript-Anwendung, die ein KI-Assistent nicht öffnen kann.
Die Lösung: eine Brücke statt eines Bluffs
Also habe ich die Brücke selbst gebaut. Sie heisst belex und ist ein sogenannter MCP-Server. MCP steht für Model Context Protocol, ein offener Standard, mit dem sich KI-Assistenten wie Claude an eine externe Datenquelle anschliessen lassen. Vereinfacht gesagt: Statt dass die KI rät, gebe ich ihr einen kontrollierten Draht direkt zur amtlichen Quelle.
belex verbindet zwei Bestände in einem Zugang:
- die Gesetze der Bernischen Systematischen Gesetzessammlung, direkt aus der amtlichen Publikation des Kantons
- die Urteile des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern, erschlossen über die offene Rechtsprechungssuche entscheidsuche.ch
Frage ich meinen KI-Assistenten jetzt etwas zum Berner Baurecht, sucht er selbstständig in diesen beiden Beständen und antwortet mit Fundstelle: BSG-Nummer und Stand beim Gesetz, Geschäftsnummer und Datum beim Urteil. Ich kann jede Aussage in Sekunden am Original gegenlesen.
Warum das der eigentliche Punkt ist
Der Unterschied ist nicht «die KI weiss jetzt mehr». Der Unterschied ist: die KI wird nachprüfbar. Sie halluziniert keine Paragraphen mehr, sondern liefert Belege, die entweder stimmen oder eben nicht. Aus einer eloquenten Spielerei wird ein Werkzeug, dem ich bei der Recherche vertrauen kann, weil ich es kontrollieren kann.
Genau das ist für mich angewandte KI: nicht möglichst viel Automatik, sondern die richtige Verbindung bauen, damit ein starkes Sprachmodell verlässlich wird statt bloss überzeugend.
Aus eigenem Bedarf, jetzt für alle
Ursprünglich habe ich belex nur für meine eigene Vorbereitung gebaut. Weil es sich bewährt hat und weil es niemandem nützt, wenn so etwas in meiner Schublade liegt, habe ich es geöffnet. Es ist kostenlos, quelloffen und läuft als Dienst, den man ohne Installation in seinem KI-Tool einbinden kann.
Ausprobieren kannst du es hier: belex.blueforce.ch. Dort findest du auch eine kleine Live-Demo, die Setup-Anleitung und den Link zum Quellcode auf GitHub.
Ein wichtiger Vorbehalt
belex liefert Rechtsinformation zur Orientierung, keine Rechtsberatung. Die Ausgaben können unvollständig oder nicht mehr aktuell sein und ersetzen keine anwaltliche Prüfung. Massgebend bleibt immer die amtliche Fassung. Wer eine rechtlich relevante Frage hat, lässt sie juristisch prüfen. Das Werkzeug nimmt einem die Recherche ab, nicht die Verantwortung.
Mein Fazit
Am meisten überrascht hat mich, wie klein der entscheidende Schritt war. Das Sprachmodell konnte immer schon gut mit Recht umgehen, es fehlte ihm nur der ehrliche Zugang zur Quelle. Diese Lücke zu schliessen, hat aus einem netten Assistenten ein brauchbares Rechercheinstrument gemacht.
Für mich ist das ein gutes Beispiel dafür, wie ich mir sinnvolle KI vorstelle: bodenständig, überprüfbar und an einem echten Bedürfnis entlang gebaut. Weniger Zauberei, mehr Werkzeug.
