Eine der häufigsten Rückmeldungen nach meinen bisherigen Artikeln war die Frage, ob und wie man aus dem Nokia XS-010S-Q XGS-PON-Modul Betriebsdaten wie Temperatur, Signalstärke oder Firmware-Version auslesen kann – und warum das Modul im Gegensatz zu anderen Lösungen kaum frei erhältlich ist.
Die kurze Antwort: Beides ist kein Zufall.
Provider-Sicht: Volles Monitoring – aber nicht für Endkunden
Aus Provider-Sicht ist das Nokia-Modul alles andere als eine Blackbox.
Wie mir Nick Graf (Network Engineer bei iWay) bestätigt hat, werden sämtliche relevanten Betriebsdaten zentral über das OLT und OMCI überwacht. Dazu gehören unter anderem:
- optische Sende- und Empfangsleistung
- Temperatur, Spannung und Laserstrom
- Firmware-Version und Status
- Stabilität und Ereignisse auf dem PON-Tree
Firmware-Updates und Konfigurationsänderungen erfolgen ausschliesslich providerseitig.
Der Endkunde hat bewusst keinen Zugriff auf diese Informationen.
Der Grund dafür ist simpel und nachvollziehbar:
XGS-PON ist ein Shared Medium. Fehlerhafte Konfigurationen oder inkompatible Firmware auf einem einzigen ONT könnten im schlimmsten Fall andere Teilnehmer auf demselben PON-Tree beeinträchtigen. Das Nokia-Modul ist deshalb konsequent als Provider-ONT konzipiert – stabil, kontrolliert und wartungsarm.
Theoretische Shell – praktisch keine gute Idee
Nick hat zudem bestätigt, dass es beim Nokia XS-010S-Q theoretisch eine interne Shell gibt, wie sie in diversen Online-Foren beschrieben wird. Davon wird jedoch ausdrücklich abgeraten.
Es existieren Berichte, bei denen falsche Einstellungen oder Experimente auf dieser Ebene dazu geführt haben, dass Module dauerhaft unbrauchbar wurden. Aus Providersicht ist klar:
Finger weg.
Für einen stabilen Betrieb ist das Modul genau so gedacht, wie es ausgeliefert wird. Als vollständig gemanagte Blackbox.
Den detaillierten Vergleich zwischen dem Allnet- und dem Nokia-Modul habe ich bereits in einem separaten Artikel beschrieben.
Warum das Nokia-Modul kaum frei erhältlich ist
Auch zur Verfügbarkeit habe ich direkt Rückmeldung von Johann Wimmer (Nokia Schweiz) erhalten.
Nokia hat sich mit dem Rückzug aus dem Smartphone-Geschäft weitgehend aus dem klassischen Consumer-Markt verabschiedet. XGS-PON-Module wie das XS-010S-Q sind primär B2B- und Provider-Produkte.
In der Schweiz kommt eine weitere Besonderheit dazu:
Die meisten Glasfaseranschlüsse, auch bei alternativen Providern, nutzen Swisscom-Infrastruktur. Entsprechend dürfen nur von Swisscom freigegebene ONT-Module eingesetzt werden.
Aktuell bedeutet das konkret:
- Das XS-010S-Q wird derzeit nicht mehr ausgeliefert
- Der Nachfolger XS-010S-R befindet sich bei Swisscom in der Freigabeprüfung
- Freigaben können erfahrungsgemäss einige Zeit dauern
Für Geschäftskunden besteht grundsätzlich die Möglichkeit, Nokia-Module über Distributoren wie Infinigate zu beziehen. Allerdings nicht als klassisches Endkundenprodukt.
Das erklärt, warum Provider wie iWay das Nokia-Modul anbieten können, es aber im freien Onlinehandel praktisch nicht zu finden ist.
Einordnung nach einigen Wochen Betrieb
Im Alltag zeigt sich genau diese Philosophie als Stärke:
Kein Webinterface, keine Firmware-Buttons, keine Spielereien – dafür ein unauffälliger, stabiler Betrieb ohne Wartungsaufwand.
Oder anders gesagt:
Das Nokia XGS-PON-Modul überzeugt nicht trotz, sondern wegen seiner Blackbox-Natur.
Nach einigen Wochen Betrieb ist für mich klar: Weniger Kontrolle auf Endkundenseite bedeutet hier nicht weniger Qualität, sondern mehr Stabilität und echte Provider-Reife.