Ausgangslage & Motivation
Ich nutzte seit Jahren ein Synology DS716+II – ein solides 2-Bay-NAS, das zuverlässig seinen Dienst tat. Zwei Schächte, meine eigenen Festplatten, meine eigenen Regeln. Bis Synology begann, diese Regeln zu ändern.
Konkret: Synology schränkte DSM-Funktionen auf Festplatten ein, die nicht auf der offiziellen Kompatibilitätsliste stehen oder verweigerte Updates für Systeme mit «nicht zertifizierten» Drives. Was technisch als Qualitätssicherung verkauft wird, fühlt sich für mich nach Vendor Lock-in an. Ich lasse mir nicht gerne vorschreiben, welche Hardware ich in meinem eigenen Gerät verbauen darf.
Der Entscheid war schnell gefallen: Wechsel zu Ubiquiti. Mein Wunschgerät, das UNAS 4 Pro, liess allerdings auf sich warten. Erst Mitte Februar 2026 war es endlich lieferbar. Als es verfügbar war, habe ich zugeschlagen.
Hardware auf einen Blick
Das UNAS 4 Pro ist in jeder Hinsicht ein deutliches Upgrade: 4 statt 2 Schächte, 8 GB RAM, 10G SFP+, zwei NVMe-Slots und vor allem keine Vorschriften, was drin sein darf.
Synology DS716+II (2016-2026)
2 Schächte · 2 GB RAM · Dual-Core 1.4 GHz · 2× GbE · kein NVMe
Ubiquiti UNAS 4 Pro (heute)
4 Schächte · 8 GB RAM · Quad-Core 2.0 GHz · 2× 2.5G + 10G SFP+ · 2× NVMe
Software: DSM vs. UniFi OS
Synologys DSM ist ausgereift, hat ein grosses App-Ökosystem und ist auch für Nicht-Techniker intuitiv. UniFi OS hingegen ist auf das UniFi-Ökosystem ausgerichtet. Wer bereits UDM, Access Points oder Kameras von Ubiquiti betreibt, profitiert von der nahtlosen Integration in einem Interface.
Für mich als bestehenden UniFi-Nutzer ist das ein klarer Gewinn. Für jemanden ohne UniFi-Kontext: DSM bleibt die benutzerfreundlichere Wahl.
SSL-Zertifikat für den externen Zugriff
Ein wichtiges Feature: externer Zugriff über eine eigene Domain mit gültigem SSL-Zertifikat statt Browser-Warnung. Ich nutze blueforce.ipv64.de via IPv64 als DynDNS-Service. Das Ziel: HTTPS mit Let’s Encrypt, kostenlos und automatisch erneuernd.
Voraussetzungen
# SSH aktivieren: UniFi OS → Settings → Control Plane → Console → SSH → Passwort setzen # IPv64 API-Key: ipv64.net → Dashboard → Account → API-Key # Port-Forwarding im Router: WAN 443 → LAN 192.168.x.x:443
SSH-Verbindung herstellen
ssh root@<IP-des-UNAS>acme.sh installieren
curl https://get.acme.sh | sh -s email=deine@email.de
source ~/.bashrcIPv64 API-Key setzen
export IPv64_Token="DEIN_IPV64_API_TOKEN"Den Key findest du im IPv64-Dashboard oben rechts unter deinem Account.
Zertifikat ausstellen
acme.sh setzt den DNS-TXT-Record automatisch, wartet auf Propagation und holt das Zertifikat von Let’s Encrypt:
~/.acme.sh/acme.sh --server letsencrypt \
--issue -d "deine-domain.de" \
--dns dns_ipv64Zertifikat in UniFi OS einbinden
nginx liest das Zertifikat aus local-certs.conf. Die bestehenden Dateien werden durch Symlinks auf acme.sh ersetzt:
rm /data/unifi-core/config/unifi-core.crt
rm /data/unifi-core/config/unifi-core.key
ln -s ~/.acme.sh/deine-domain.de_ecc/fullchain.cer \
/data/unifi-core/config/unifi-core.crt
ln -s ~/.acme.sh/deine-domain.de_ecc/deine-domain.de.key \
/data/unifi-core/config/unifi-core.keynginx und UniFi Core neu starten
systemctl restart unifi-core
nginx -s reloadAutomatische Erneuerung einrichten
Let’s Encrypt Zertifikate laufen nach 90 Tagen ab. Der Deploy-Hook lädt nginx nach jeder Erneuerung automatisch neu:
~/.acme.sh/acme.sh --install-cert -d "deine-domain.de" \
--cert-file /data/unifi-core/config/unifi-core.crt \
--key-file /data/unifi-core/config/unifi-core.key \
--reloadcmd "systemctl restart unifi-core"acme.sh richtet automatisch einen Cron-Job ein (täglich 19:30 Uhr). Kein manuelles Eingreifen mehr nötig.
Fazit
Der Wechsel war für mich die richtige Entscheidung. Nicht weil Synology schlecht ist. DSM ist nach wie vor ausgereifter. Aber Freiheit hat für mich einen höheren Stellenwert als Komfort.
Das UNAS 4 Pro ist leistungsstärker, offen für beliebige Festplatten und nahtlos in mein UniFi-Netzwerk integriert.
- Empfehlung: UNAS 4 Pro
Bestehende UniFi-Nutzer, Tech-Nerds, wer keine Hardware-Vorschriften akzeptiert und bereit ist, gelegentlich die Kommandozeile zu öffnen. - Besser bei Synology bleiben
Für reine Heimanwender ohne UniFi-Kontext, die ein ausgereiftes App-Ökosystem und einfache Bedienung ohne Terminal suchen.